Gerade haben wir im Internet gelesen, dass sich am Wochenende in Österreich ein Wintereinbruch mit Schneefall bis in tiefe Lagen angekündigt und bei uns wird es jetzt von Tag zu Tag heißer und schwüler, na ja eben Beginn der Regenzeit. So angenehm und gemäßigt es bisher war, aber jetzt ziehen immer wieder sehr ergiebige Regenwolken begleitet von unberechenbaren Windböen über uns. Ist aber kein größeres Problem, denn in den engen Buchten und schmalen Kanälen der Bay of Islands mit unzähligen kleinen Steinpilzen und hohen Felswänden sind wir recht gut geschützt. In den letzten Wochen haben wir uns durch die traumhafte Inselwelt rund um Vanua Balevu treiben lassen – einsam, denn bisher haben wir noch kein anderes Segelschiff gesehen.
Die Lau Inseln liegen direkt auf dem 180. Längengrad und haben früher mal zu Tonga gehört, sind aber noch immer unabhängig. Erst seit ein paar Monaten darf man hier auch mit dem normalen Cruiserpermit herumsegeln (früher nur mit persönlicher Einladung eines Dorfes und dann auch nur in deren Bereich). Es gibt natürlich hier noch keine Infrastruktur (Marina, Supermärkte, Restaurants, Internet,…) was jedoch von vielen Seglern erwartet wird. Die letzten Jahre waren im Schnitt 20 Schiffe hier unterwegs und dieses Jahr durch die Öffnung sind wir bereits das 52. Schiff! Wir aber lieben diese Einsamkeit und Abgeschiedenheit, es ist alles noch so ursprünglich. So düsen wir mit dem Dinghy zwischen den bizarren Felsinselchen herum und verirren uns fast in den unzähligen mystischen anmutenden Pools – es ist wie eine verwunschene Fabelwelt. Anlanden ist jedoch kaum möglich, denn die Korallenfelsen sind scharf und außerdem dicht bewachsen, aber Christoph hat doch eine Möglichkeit gefunden. In dem milchig-grünen Wasser zwischen den bizarren Felsköpfen patrollieren Schwarzspitzenhaie auf Futtersuche und Schildkröten tauchen immer wieder auf und beäugen uns neugierig.
Kurz vor Sonnenuntergang ist dann plötzlich der ganze Himmel von tausenden Flughunden verdunkelt, die sich auf die nächtliche Futtersuche begeben und erst unter lautem Schreien in den frühen Morgenstunden zurückkehren – also alles im allem ein echtes Paradies, aber wie lange noch? Leider kränkeln wir bereits seit ein paar Wochen abwechselnd mit Hals- und Mittelohrentzündung herum und daher ist im Augenblick nichts mit tauchen – echt schade, denn hier am Pass und Aussenriff wäre es sicher toll. So fahren wir langsam weiter und machen natürlich auch einen Stopp im Bavatu Harbour wo wir die 271 Stufen (Rekord sind 56 sec., aber nicht von uns) zur Plantation hinaufsteigen und dann zum Lookout über die Bay of Islands wandern.
Es ist einfach sagenhaft der Blick von dort oben über die gesamte Inselwelt, die wir in den letzten Tagen befahren haben. Ach ja, hier ist der wahrscheinlich einsamste Yachtclub der Welt, nur offen wenn sich eine der Superyachten ansagt mit riesigem Clubhaus, Stegen und Mooringbojen. Seit wir bei der Hochzeit eingeladen waren und nun doch schon in mehreren Dörfern eingeführt sind, kommen die Fischer immer wieder mal auf eine Zigarettenlänge und einem Plausch bei uns vorbei (so gut kann man sich gar nicht in den tiefen Buchten verstecken). So hat auch Bill am Samstag vorbeigeschaut und uns zur sonntäglichen Kirche mit anschließendem Lunch bei seinem Bruder in Mavana eingeladen.
Gerne haben wir zugesagt und ich habe noch rasch einen Schoko-Bananenkuchen zum Mitnehmen gebacken. Da man mit dem Schiff schlecht vor dem Dorf stehen kann, fahren wir in der Früh die drei Meilen bis zum Ort mit dem Beiboot. Unser Sevusevu hatten uns bereits vor zwei Tagen die Jungs, die am Strand das Kopra trocknen, für den Chief abgeknöpft. So haben wir nur ein Päckchen Kavawurzeln und den Kuchen als Gastgeschenk für die Essenseinladung bei Mo (ist der Headman des Dorfes) mitgenommen. Wie peinlich, denn es stellt sich heraus, dass die Jungs das Kava scheinbar selbst getrunken und nicht wie versprochen dem Chief übergeben haben. Wir entschuldigen uns beim Dorfhäuptling, sind aber jetzt natürlich in einer Zwickmühle. Nur den Kuchen für unseren Gastgeber und das Kava für den Chief oder doch alles in eine Hand – wir wissen nicht wie. Auf jeden Fall sehen uns die Übeltäter und versuchen sich unauffällig zu verdrücken, aber das ist jetzt nicht mehr unser Problem. Ebenso treffen wir das Brautpaar beim Gottesdienst wieder und fragen sie wie ihnen die von uns ausgedruckten Fotos gefallen, die wir Sam für sie mitgegeben haben.
Wir ernten nur einen ungläubigen Blick des Bräutigams. Was lernen wir daraus, vertraue niemanden, es ist scheinbar hier nicht weit her mit der Ehrlichkeit (aber oft wissen wir vorher nicht ob wir die Leute wiedersehen oder aber selbst ins Dorf kommen). Da uns schon wieder mal die Zeit davonläuft fahren wir noch ein Stückchen weiter bis in die „Metropole“ Lomaloma – es ist der Hauptort mit Post, Polizei, Hospital, einem Supermarkt, ca. 40 Häusern und der einzigen Internetverbindung in der ganzen Inselwelt. Das Internet ist zwar wie die Schneckenpost (ca. 15 Min. bis eine Seite geladen ist), aber besser als gar nichts. Von hier brechen wir mit dem nächsten N-Wind in Richtung der südlichen Lau-Inseln auf. Ach ja, wir haben jetzt auch Haustierchen. Im letzten Sack Mehl hat sich eine Großfamilie Rüsselkäfer und Mehlwürmer breit gemacht. Na hoffen wir mal, dass sie sich nicht weiter ausgebreitet haben!