Ein paar Tage sind wir noch in der Blue Lagoon liegen geblieben bevor wir weiter nach Panasia, einer imposanten steilen Felsinsel inmitten einer türkisenen Lagune, gefahren sind. Die Mentalität und Wertvorstellungen der Menschen hier in den Louisaden/PNG sind ganz anders als wir es bisher erlebt haben. So tauschen wir z.B. eine Angelleine und ein paar Haken gegen zwei große Langusten, aber für ein bisschen Grünzeug wollen sie gleich das halbe Schiff haben. Die Wertigkeit von Dingen sind hier auf diesen Kalksteininseln ganz andere. Alles was aus dem Meer kommt ist für sie nahezu wertlos und dies nützen die Händler aus SO-Asien schamlos aus.
Zu unserem Schrecken müssen wir immer wieder sehen, dass in den Segel-Outriggern und am Strand Unmengen an Haiflossen und wunderschönen Muscheln zum Trocknen liegen. Diese werden dann von den asiatischen Händlern um einen Bettel gekauft. So hat uns Frank erzählt, dass er für 1kg (ca. vier) Tritonsschneckenhörner 4-5 Kina (ca. 1 €) bekommt und eine große getrocknete Haiflosse zwischen 150-160 Kina (ca. 40 €) Wert ist. Es ist schon eine Schande, dass diese Dinge überhaupt noch gehandelt werden, aber hier haben sie keine Ahnung von Arten- oder Umweltschutz, woher auch? Für sie ist nur das heute wichtig, was morgen ist interessiert sie nicht. Man sieht es aber bereits Unterwasser, keine Fische mehr und nur tote Korallen, auch bei den Überfahrten zwischen den Inseln haben wir nur einen einzigen Fisch gefangen. Es wird uns zwar immer erzählt, dass dies nur vom letztjährigen Zyklon kommt, aber man sieht ob etwas über Jahre mutwillig ausgebeutet wird oder von einer Naturkatastrophe her zerstört wurde.
Eigentlich stehen wir vor einer unbewohnten Bucht, aber das Interesse an uns ist sehr groß. Jeden Tag pilgern einige Segeloutrigger oder Kanus (wir haben bisher noch kein einziges motorisiertes Boot gesehen) von weit her um uns zu „besuchen“. Man bekommt keine Früchte oder Gemüse mehr „geschenkt“, sollte einer der vielen Besucher mal zufällig irgendeine Yamswurzel oder Trink-Kokosnuss mit dabei haben, werden gleich unrealistisch hohe Wünsche dafür geäußert. Meistens haben sie jedoch gar nichts zum tauschen dabei und fragen ganz ungeniert nach Werkzeugen, Taucherbrillen, Angelleinen u. – haken, Schmerztabletten, Zigaretten, Zucker, T-Shirts oder sonstigen Dingen. Sie sind es gewöhnt, dass ein Segelschiff alles an Bord hat und versuchen von den wenigen Seglern (wir sind die Ersten dieses Jahr) möglichst viel „abzustauben“.
Natürlich wissen wir, dass sie nicht viel haben und geben ihnen viele Dinge, auch ohne dass wir etwas dafür eintauschen, aber irgendwann kommt dann aber der Punkt wo man sich ausgenommen vorkommt und dann erklärt man ihnen das ab nun nurmehr traden (tauschen) geht. Sobald man dies äußert, steigen sie in ihr Kanu und waren nichtmehr gesehen. Ebenso verhält es sich mit Essenseinladungen. Christoph hat für Warren das Kanu mit 2-Komponeten-Epoxi-Kleber repariert (welcher recht teuer ist), dafür wurden wir zum Abendessen eingeladen, aber gleich mit der Feststellung das wir auch was mitzubringen haben (ist für mich eine Selbstverständlichkeit). Warren hat sofort gefragt, ob wir nicht auch Bier oder Alkohol mitbringen können. Im Endeffekt haben wir ein paar Dosen Bier, ein Fischcurry mit Reis und einen Schoko-Bananen-Kuchen mitgebracht und sie haben nur einen Brei aus Yams und mit etwas Papaya auf die Matte gestellt – das ist eine Essenseinladung! Warren hatte uns bereits vorher um Yeast (Trockenhefe) gefragt und wir haben ihm natürlich ein Päckchen mitgebracht, in der Annahme das dies für seine Frau sei. Was wir nicht wussten ist, dass Männer nur mit einer polizeilichen Genehmigung Trockenhefe oder Schmerztabletten kaufen können, denn mit diesen Sachen können sie sich Rauschzustände schaffen und abschaffen. Frauen können übrigens Trockenhefe zum Backen ganz normal im Store kaufen, aber da hier jeder nur an sich denkt, ist somit dem “ Bierbrauen“ der Männer ein Riegel vorgeschoben.
Ebenso verhält es sich mit dem traden – es würde kein Mann hier auf die Idee kommen etwas für seine Frau oder Familie einzutauschen, nur er ist wichtig. So kocht jeder hier sein eigenes Süppchen und wir haben abwechselnd Frauen- oder Männerpilgergruppen bei uns an Bord. Ein etwas ungewöhnlicher Zustand nach den innigen Familienverbänden der letzten Inselstaaten. Aber wenn der Wind richtig dreht, hören wir bald nichtmehr das stetige klopfen und rufen und die innerwährende Frage „you can help me out?“